{"id":1260,"date":"2009-07-11T18:34:43","date_gmt":"2009-07-11T16:34:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/?p=1260"},"modified":"2009-07-14T19:02:36","modified_gmt":"2009-07-14T17:02:36","slug":"internetsperren-umgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/internetsperren-umgehen\/","title":{"rendered":"Internetsperren umgehen"},"content":{"rendered":"<p>In meinem <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/schuetzen-internetsperren-kinder\/\" target=\"_blank\">vorigen Beitrag<\/a> wurde dargelegt, weshalb es gute Gr&#252;nde gibt, die vom Bundestag beschlossenen Internetsperren zu umgehen. Hier wird erkl&#228;rt, wie das technisch m&#246;glich ist.<\/p>\n<p>Dabei beschr&#228;nke ich mich nicht nur auf die hinreichend bekannte <strong>&#196;nderungsm&#246;glichkeit der genutzten DNS-Server<\/strong>. Denn seit Einf&#252;hrung der seit 2009 &#252;berwiegend praktizierten <a href=\"http:\/\/www.vorratsdatenspeicherung.de\/content\/view\/46\/42\/lang,de\/\" target=\"_blank\">Vorratsdatenspeicherung<\/a> empfiehlt sich f&#252;r nicht netzexhibitionistisch veranlagte Surfer ohnehin die Benutzung von Internet-Anonymisierungsdiensten. Diese habe ich auf ihre Sperrfestigkeit und die Speicherpraxis von DNS-Abfragen (also Domaineingaben ihrer Nutzer) befragt. Dabei habe ich mich, wie nach meinem <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/\" target=\"_blank\">Test von Internet-Anonymisierungsdiensten<\/a> vom Januar 2009 vielfach angeregt, auf <strong>vorratsspeicherfreie Anonymisierungsdienste<\/strong> beschr&#228;nkt.<\/p>\n<p><strong>Stufe 1: &#196;nderung des DNS-Servers<\/strong><\/p>\n<p>Nach \u00a7 2 Abs. 2 des beschlossenen <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/134\/1613411.pdf\" target=\"_blank\">Zugangserschwerungsgesetzes<\/a> m&#252;ssen Provider zumindest DNS-Anfragen, k&#246;nnen aber auch URLs und IP-Adressen blockieren. &#8222;DNS&#8220; bedeutet in diesem Zusammenhang <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Domain_Name_System\" target=\"_blank\">&#8222;Domain Name System&#8220;<\/a>. DNS-Server sind daf&#252;r verantwortlich, eingegebene Domains (z.B. <em><a href=\"http:\/\/www.wolfgang-schaeuble.de\">www.wolfgang-schaeuble.de<\/a><\/em>) &#228;hnlich einem Telefonbuch in die tats&#228;chliche IP-Adresse des Zielservers (z.B. 213.218.169.222) zu &#252;bersetzen, unter der dieser nur erreichbar ist. Die IP-Adresse kann man &#252;brigens auch direkt in das Adressfeld des Browsers eingeben und wird, soweit unter der IP-Adresse nur eine einzelne Website erreichbar ist, zur selben Seite wie bei Eingabe der Internetadresse gelangen. Theoretisch k&#246;nnte man also ohne DNS-Server auskommen, m&#252;sste die IP-Adresse dazu aber erst einmal kennen beziehungsweise m&#252;hsam bei den internationalen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Regional_Internet_Registry\" target=\"_blank\">Registrys<\/a> in Erfahrung bringen. In der Praxis ist man daher auf DNS-Server angewiesen, und zumindest solche DNS-Server der gr&#246;&#223;eren Internetprovider werden k&#252;nftig kraft Gesetzes die sogenannte Namensaufl&#246;sung einer Domain in die zugeh&#246;rige IP-Adresse verweigern. Allerdings ist der f&#252;r die jeweilige Internetverbindung verwendete DNS-Server <strong>leicht austauschbar<\/strong>. Das hei&#223;t, der eigene Computer zieht einfach nicht mehr den korrupten DNS-Server des eigenen Providers zu Rate, sondern den eines Dritten, wahlweise au&#223;erhalb des deutschen Territoriums. Geht man davon aus, dass die Provider aus Kostengr&#252;nden bis auf Weiteres nur DNS-Server und damit quasi nur die &#8222;Umleitung&#8220;, nicht aber die IP-Adressen selbst sperren werden, lassen sich die Sperren leicht umgehen.<\/p>\n<p>&#214;ffentliche DNS-Server zum Eintragen sind etwa <a href=\"http:\/\/www.thomasmoehle.de\/zensur\/index.php\/Unzensierte_DNS_Server\" target=\"_blank\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.dnsserverlist.org\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.stanar.de\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> zu finden. Bei unbekannten IP-Adressen empfiehlt es sich, bei der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Regional_Internet_Registry\" target=\"_blank\">regionalen Registry<\/a> durch Eingabe der IP-Adresse des DNS-Servers in das WhoIs-Feld herauszufinden, wer der Betreiber des DNS-Servers ist. Wer etwa T-Online-Kunde ist und den andernorts empfohlenen DNS-Server 195.50.140.71 verwenden m&#246;chte, wird so herausfinden, dass es sich dabei um einen Server von Arcor handelt, mit dem er lediglich vom Regen in die Traufe gelangt. Zu bedenken ist bei der Auswahl fremder DNS-Servers ferner, dass der <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/128\/1612850.pdf\" target=\"_blank\">amtlichen Regierungsbegr&#252;ndung<\/a> zufolge auch Staaten wie<\/p>\n<ul>\n<li>Finnland und<\/li>\n<li>Italien kraft Gesetzes;<\/li>\n<li>Norwegen,<\/li>\n<li>D&#228;nemark und<\/li>\n<li>Schweden kraft Sperrvertrags;<\/li>\n<li>USA kraft Selbstverpflichtung;<\/li>\n<li>Gro&#223;britannien,<\/li>\n<li>Niederlande,<\/li>\n<li>Schweiz,<\/li>\n<li>Neuseeland,<\/li>\n<li>S&#252;dkorea,<\/li>\n<li>Kanada und<\/li>\n<li>Taiwan auf unbekannter Rechtsgrundlage<\/li>\n<\/ul>\n<p>staatlich gesperrte DNS-Server verwenden (obwohl zumindest keiner der von mir befragten Anonymisierungsdienste in diesen L&#228;ndern von entsprechenden Verpflichtungen wei&#223;), so dass auch deren Benutzung nicht risikolos ist. Es ist mir auch nicht bekannt, inwieweit in diesen L&#228;ndern Anfragen oder Anfrageversuche der &#8222;falschen&#8220; Seiten, was <a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2007\/12\/25\/vom-himmel-in-die-holle\/\" target=\"_blank\">durchaus nicht kriminell motiviert<\/a> sein muss, zur Strafverfolgung genutzt werden und fix eine polizeiliche Hausdurchsuchung nach sich ziehen k&#246;nnen. Liegt der gew&#228;hlte DNS-Server andererseits zu weit ab vom Schuss, k&#246;nnen die Anfragen entsprechend l&#228;nger dauern.<\/p>\n<p>Benutzer von Anonymisierungs- oder sonstigen VPN-Diensten mit PPTP-Einwahl unter Windows sollten bedenken, dass sich Windows aus irgendeinem Grund trotz aktiver VPN-Verbindung teils nach wie vor der DNS-Server der Originalverbindung (z.B. T-Online) bedient, man also unn&#246;tig von Sperren betroffen sein k&#246;nnte. Das sollte man &#252;berpr&#252;fen, auch nach der &#196;nderung der DNS-Server, statt sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Manchmal erkennt man den tats&#228;chlich verwendeten DNS-Server daran, dass man bei URL-Vertippern zu einer anbieterspezifischen Fehlermeldung oder Suchmaschine umgeleitet wird. Ansonsten kann man unter Windows in der Dos-Box &#8222;nslookup&#8220; eingeben. Die Zuteilungsnehmer der dann angezeigten IP-Adressen k&#246;nnen wie oben beschrieben &#252;ber die Registrys ermittelt werden.<\/p>\n<p><em>Bild1\/2: durchklicken.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/wiki\/images\/5\/5b\/Dnsserver1.jpg\" alt=\"Screenshot 1: Anleitung zur &#196;nderung des DNS-Servers unter Windows\" \/><\/p>\n<p><em>Bild2\/2: durchklicken und anstelle der Zahlen 1.2.3.4 und 5.6.7.8 den gew&#252;nschten DNS- und gegebenenfalls Ersatz-DNS-Server eintragen.<\/em><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/wiki\/images\/a\/a7\/Dnsserver2.jpg\" alt=\"Screenshot 2: Anleitung zur &#196;nderung des DNS-Servers unter Windows\" \/><\/p>\n<p>Der &#246;sterreichische Anonymisierungsdiensteanbieter Surfonym empfiehlt gar, einen <strong>eigenen DNS-Server<\/strong> zu betreiben und hat dazu eine <a href=\"http:\/\/surfonym.com\/en\/help\/local_dns_server.html\" target=\"_blank\">Anleitung ver&#246;ffentlicht<\/a>. Der Vorteil dessen liegt darin, dass man seine Daten dann keinem zentralen DNS-Server eines Dritten mehr anvertrauen muss, der theoretisch URL-Anfragen sperren oder mitschneiden k&#246;nnte. Andererseits &#252;bernimmt ein fremder DNS-Server eine gewisse Pseudonymisierungsfunktion: Der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DNS_Root_Nameserver\" target=\"_blank\">Rootserver<\/a>, an den jeder DNS-Server seine Anfragen r&#252;ckreicht, sieht im einen Fall nur die IP-Adresse des anfragenden Dritt-DNS-Servers, im anderen ist diese aber, wenn man den DNS-Server selbst betreibt, die eigene. Zwar soll die Betreiberin der Rootserver, ICANN, derzeit wegen der gro&#223;en Datenmengen (wohl praktisch alle URL-Eingaben weltweit) angeblich nicht die Absicht haben, Anfragen zu speichern. 1961 hatte aber auch <a href=\"http:\/\/de.encarta.msn.com\/media_81573934_721524708_-1_1\/Walter_Ulbricht_\u201eNiemand_hat_die_Absicht_eine_Mauer_zu_errichten\u201d.html\" target=\"_blank\">niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Anfragen bei den Pressestellen<\/strong> der Internetanbieter<\/p>\n<ul>\n<li>United Internet,<\/li>\n<li>Arcor,<\/li>\n<li>Hansenet,<\/li>\n<li>Versatel,<\/li>\n<li>QSC,<\/li>\n<li>Manitu,<\/li>\n<li>Kabel Deutschland und<\/li>\n<li>Kabel BW<\/li>\n<\/ul>\n<p>ergaben &#252;bereinstimmend, dass bislang weder DNS- noch IP-Sperrungen vorgenommen w&#252;rden (was zumindest bei gro&#223;en Providern mit Sitz in NRW auf Grund der <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/30617\" target=\"_blank\">B&#252;ssow&#8217;schen<\/a> <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/120252\" target=\"_blank\">Sperrverf&#252;gungen<\/a> erstaunlich erscheint). Nach Inkrafttreten der Sperrverpflichtung wolle man bis auf Weiteres nur auf DNS-Ebene sperren. Bislang w&#252;rden DNS-Anfragen auch nicht vorratsgespeichert. Skepsis scheint bei Unitymedia angebracht: Dort sperre man zwar nichts. Unitymedia beschr&#228;nkte sich hinsichtlich der DNS-Speicherung aber auf die etwas k&#228;rgliche Aussage, es w&#252;rden &#8222;keine personenbezogenen Daten gespeichert&#8220;. Das ist nicht selten ein Euphemismus daf&#252;r, dass <em>doch<\/em> IP-Adressen gespeichert werden (deren Personenbezug geleugnet wird, weil das Speichern wegen des Personenbezugs in der Regel <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/tmg\/__15.html\" target=\"_blank\">rechtswidrig<\/a> ist). T-Online will zwar nicht speichern, bekennt sich aber als Sperrer rechtswidriger Inhalte zumindest auf den eigenen Servern. Der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des Internetproviders Manitu &#228;u&#223;erte auf Anfrage, heute wie k&#252;nftig nichts zu speichern und nichts zu sperren; inwieweit das Vorhaben rechtlich Bestand haben wird, wird sich zeigen. Das Sperrgesetz sieht im &#220;brigen vor, Anbieter mit <strong>weniger als 10.000 Nutzern<\/strong> von der Verpflichtung auszunehmen (\u00a7 2 Abs. 1), was man bei der Auswahl des DNS-Servers ebenfalls ber&#252;cksichtigen sollte. Letztlich wird es aber wohl ohnehin keine M&#246;glichkeit geben, alle DNS-Betreiber zu ermitteln, um die Sperrpflicht vollst&#228;ndig durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Stufe 2: Anonymisierungsdienst<\/strong><\/p>\n<p>Wie lange sich die Internetprovider auf DNS-Filter beschr&#228;nken und der nach eigener Einsch&#228;tzung <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/8\/141018\" target=\"_blank\">netzignorante<\/a> Gesetzgeber nicht neuerlich auf dumme Gedanken kommt, ist ungewiss. Speziell Unternehmen des staatsnahen Telekom-Konzerns (der zu rund 32% der Bundesrepublik geh&#246;rt) haben in der Vergangenheit Jahre lang eine Vorratsdatenspeicherung (wenn auch, hoffentlich, nicht von DNS-Anfragen) <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/68801\" target=\"_blank\">betrieben<\/a>, ohne dazu verpflichtet oder auch nur berechtigt gewesen zu sein, oder die Aktivierung von Prepaidkarten <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/tkg_2004\/__111.html\" target=\"_blank\">ohne Not<\/a> von der Vorlage eines Ausweises <a href=\"http:\/\/www.t-mobile.de\/T-D1\/cds\/AGB\/0,1127,52691,00.html\" target=\"_blank\">abh&#228;ngig<\/a> gemacht (zur Umgehung siehe <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/datenschutzfreundliche-prepaid-mobilfunkkarten\/\" target=\"_blank\">Alternativanbieter<\/a> sowie unseren <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/kartentausch\/\" target=\"_blank\">Kartentausch<\/a>). Es ist also nicht gesagt, dass alle Provider bei den Mindestanforderungen bleiben werden. Letztlich empfiehlt sich schon heute und allein zur Umgehung der Vorratsdatenspeicherung die Benutzung eines <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/\" target=\"_blank\">Internet-Anonymisierungsdiensts<\/a>. Damit surft man im Internet nicht nur unter nicht zuordenbarer IP-Adresse, sondern es wird auch der DNS-Server des Anonymisierungsanbieters benutzt und IP- und URL-Sperren des Internet-Zugangsproviders laufen leer. Auch bekommt der Internetprovider praktisch den gesamten Datenverkehr mit dem Anonymisierungsdienst nur noch in verschl&#252;sselter Form zu Gesicht. Das schadet auch unabh&#228;ngig von Sperr- und Vorratsdatenspeichergesetzen nichts, da der Bundesnachrichtendienst bekanntlich gem&#228;&#223; \u00a7\u00a7 <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/g10_2001\/__1.html\" target=\"_blank\">1<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/g10_2001\/__5.html\" target=\"_blank\">5 G10-Gesetz<\/a> ohne gerichtliche Anordnung <strong>den gesamten dort auflaufenden Telekommunikationsverkehr<\/strong> direkt beim Provider abh&#246;ren, aufzeichnen, nach Stichworten durchsuchen und weiter&#252;bermitteln kann, wobei schon der Verdacht auf Drogendelikte als Anlass gen&#252;gt. In den USA haben Geheimdienste <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/140674\" target=\"_blank\">noch weitergehende<\/a> <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/122287\" target=\"_blank\">Befugnisse<\/a>.<\/p>\n<p>Anl&#228;sslich des Sperrgesetzes habe ich daher alle im Januar <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/\" target=\"_blank\">getesteten<\/a>, vorratsspeicherfreien Anonymisierungsdienste befragt, welche DNS-Server dort f&#252;r die Nutzer zum Einsatz kommen und welche Praxis hinsichtlich der Speicherung von DNS-Anfragen und der Filterung jeweils gilt. Die Speicherung von DNS-Anfragen ist auch insofern relevant, als sich durch sie <strong>Surfprofile<\/strong> erstellen lie&#223;en, die in ihrer Aussagekraft die bisher auf Vorrat gespeicherten Verbindungsdaten deutlich &#252;bersteigen \u2013 jede Menge Stoff also f&#252;r den geneigten Symbol- und &#220;berwachungsgesetzgeber im Lauf der kommenden Legislaturperioden. Offen ist noch, ob dies unter der &#220;berschrift &#8222;Terrorismus-&#8220; oder &#8222;Kinderpornografiebek&#228;mpfung&#8220; stattfinden wird. Bei der aktuellen Einschr&#228;nkung durch das Sperrgesetz haben sich Bundesregierung und Gesetzgeber f&#252;r Letzteres entschieden, so dass turnusm&#228;&#223;ig als n&#228;chstes wieder die Terrorbek&#228;mpfung an der Reihe sein k&#246;nnte.<\/p>\n<p><strong>a. ANON\/Jondonym<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Mixkaskaden von <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/#jondonym\" target=\"_blank\">ANON\/Jondonym<\/a> ist der letzte Mix f&#252;r die Wahl des DNS-Servers verantwortlich. In der Regel, aber nicht immer, komme der DNS-Server des jeweiligen Hosters zur Anwendung, so Jondos-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Rolf Wendolsky, so dass Sperrungen nicht ausgeschlossen erscheinen. Es empf&#228;hle sich zumindest, darauf zu achten, dass der letzte Mix der Kaskade keiner eines sperrpflichtigen Staats ist. Leider gibt es zur Zeit keine Kaskade, deren letzter Mixserver nicht in einem der obigen gef&#228;hrdeten L&#228;nder steht. Speicher- und &#8211; bis auf die <a href=\"http:\/\/anon.inf.tu-dresden.de\/operators\/help\/en\/help\/adminscripts\/squid-block.acl\" target=\"_blank\">Jondos-eigene empfohlene Sperrliste<\/a> &#8211; sperrfreie DNS-Server erwarten die Nutzer bis auf Weiteres bei den Endmixen<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Jupiter&#8220; (=Kaskade &#8222;Zeitwort-Speedpartner-Galaxyconsult&#8220;),<\/li>\n<li>&#8222;Saturn&#8220; (=Kaskade &#8222;Opossum-Unsu-Saturn&#8220;),<\/li>\n<li>&#8222;GPF&#8220; (=Kaskade &#8222;Jondos-GPF&#8220;),<\/li>\n<li>&#8222;Exarkun&#8220; (=Kaskade &#8222;Euklid-Rose-Exarkun&#8220;),<\/li>\n<li>&#8222;Secure Internet 1&#8220; (=Kaskade &#8222;Pimenidis-Behrens-Secure Internet&#8220;) und<\/li>\n<li>&#8222;Nicole&#8220; (=Kaskade &#8222;Circinus-Benda-Nicole&#8220;), wobei die beiden Letztgenannten aus der Schweiz auch die von Jondos empfohlenen Seiten nicht sperren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einige andere Mixbetreiber haben nicht geantwortet. Das Ausweichen auf fremde DNS-Server ist f&#252;r Nutzer des Diensts leider nicht ohne Weiteres vorgesehen oder h&#246;chstens per aufw&#228;ndiger SOCKS-Applikation, was ein Nachteil ist. Demnach bietet Jondonym zwar gute Anti-Sperr-Ma&#223;nahmen an, man muss aber die richtigen Kaskaden kennen und verwenden und kann sich nicht generell darauf verlassen. Andererseits ist eine dezentrale Netzarchitektur einem zentralistischen System letzten Endes &#252;berlegen.<\/p>\n<p><em>Informationsfreiheits-Note: +.<\/em><\/p>\n<p><strong>b. Perfect Privacy<\/strong><\/p>\n<p>Der internationale Anonymisierungsdienst <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/#perfectprivacy\" target=\"_blank\">Perfect Privacy<\/a> stellt seinen Nutzern automatisch von ihm selbst betriebene, sperr- und speicherfreie DNS-Server bereit. Nur ersatzweise k&#228;men DNS-Server lokaler Netzbetreiber zum Einsatz, die nicht zwingend Perfect-Privacys Datenschutzstandards erf&#252;llten. Allerdings sei ein Ausfall der eigenen DNS-Server selten und es sei wegen der gro&#223;en Datenmenge bei DNS-Servern derzeit un&#252;blich Zugriffe zu speichern. Damit ist Sperrfestigkeit bei Perfect Privacy insoweit gegeben, als die eigenen DNS-Server nicht ausfallen. Perfect Privacy weist darauf hin, dass Nutzer jederzeit andere DNS-Server eintragen k&#246;nnen, und dass ein gro&#223;er Teil der internationalen Netzbetreiber offene DNS-Server betreibt. <strong>OpenVPN<\/strong>-Nutzer sollten dazu in die .ovpn-Datei die Zeile &#8222;dhcp-option DNS x.x.x.x&#8220; einf&#252;gen sollten, wobei &#8222;x.x.x.x&#8220; f&#252;r die IP-Adresse des DNS-Servers steht. Die Zeile kann auch mehrfach hintereinander eingef&#252;gt werden, wobei jene Server ersatzweise zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p><em>Informationsfreiheits-Note: +.<\/em><\/p>\n<p><strong>c. Linkideo<\/strong><\/p>\n<p>Der Low-cost-Anonymisierer <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/#linkideo\" target=\"_blank\">Linkideo<\/a> aus Jersey betreibt keine eigenen DNS-Server, sondern verwendet die DNS-Server seiner Hoster. &#220;ber Logging- und Sperrpraxis sei ihm nichts bekannt, bisher seien ihm keine Einschr&#228;nkungen bekannt geworden. In meinem Test stellte ich Server in den Niederlanden, Gro&#223;britannien und den USA fest. Alle diese L&#228;nder sind sperrgef&#228;hrdet. Linkideo-Nutzer, die auf eine Einwahl per PPTP angewiesen sind, k&#246;nnen und sollten f&#252;r die Verbindung abweichende DNS-Server einstellen.<\/p>\n<p><em>Informationsfreiheits-Note: O.<\/em><\/p>\n<p><strong>d. Xerobank<\/strong><\/p>\n<p>Beim panamaischen Anonymisierungsspezialist <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/#xerobankshadowvpn\" target=\"_blank\">Xerobank<\/a> kommen nur eigene, selbst betriebene DNS-Server des jeweils letzten Mixservers zur Anwendung. Diese seien nach au&#223;en hin verschl&#252;sselt und speicherfrei. Irgendeine Form von Sperrung finde nicht statt und werde strikt abgelehnt. Damit bleiben Xerobank-Nutzer von Sperrungen verschont. Ein Wechsel der DNS-Server sei f&#252;r OpenVPN-Nutzer unter den gleichen Voraussetzungen wie bei Perfect Privacy m&#246;glich. Xerobank h&#228;lt die eigenen DNS-Server aber f&#252;r sicherer. Alles Genannte gilt in gleicher Weise f&#252;r das Light-Produkt &#8222;ShadowVPN&#8220;.<\/p>\n<p><em>Informationsfreiheits-Note: ++.<\/em><\/p>\n<p><strong>e. Trackbuster<\/strong><\/p>\n<p>Eigene DNS-Server betreibt auch der Anonymisierungsdienst <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/#trackbuster\" target=\"_blank\">Trackbuster<\/a>, der seit einigen Wochen die Vorratsdatenspeicherung ausgesetzt hat und derzeit mit Hilfe einer Mannheimer Anwaltskanzlei daran arbeitet, dies rechtlich durchzusetzen. Wie auch bei den anderen Anbietern sind die DNS-Server nicht von Nichtkunden nutzbar. Eine Speicherung oder irgendeine Form von Sperrung finde nicht statt. Sperrfestigkeit erscheint zur Zeit gegeben, da der Anbieter zwar in Deutschland sitzt und operiert, derzeit aber nur eine dreistellige Zahl von Kunden hat. Die Verwendung eigener DNS-Server ist wie oben geschildert m&#246;glich.<\/p>\n<p><em>Informationsfreiheits-Note: +.<\/em><\/p>\n<p><strong>f. Surfonym<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/#surfonym\" target=\"_blank\">Surfonym<\/a> betreibt eigene DNS-Server in &#214;sterreich, die soft- und hardwarem&#228;&#223;ig in der Kontrolle des Anbieters sind und nichts sperren oder speichern und ebenfalls nur f&#252;r Kunden zug&#228;nglich sind. F&#252;r staatliche Sperrungen bleibt bei Surfonym sonach nach aktueller Kenntnis kein Raum. Die Verwendung eigener DNS-Server ist Kunden m&#246;glich.<\/p>\n<p><em>Informationsfreiheits-Note: ++.<\/em><\/p>\n<p>Keine Antwort erreichte mich vom Schweizer Anonymisierungsdienst Ivacy.<\/p>\n<p>Jonas<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem vorigen Beitrag wurde dargelegt, weshalb es gute Gr&#252;nde gibt, die vom Bundestag beschlossenen Internetsperren zu umgehen. Hier wird erkl&#228;rt, wie das technisch m&#246;glich ist. 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