{"id":205,"date":"2007-11-10T10:59:22","date_gmt":"2007-11-10T09:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/schuetzt-der-bundesdatenschutzbeauftragte-vor-der-aufzeichnung-des-internet-nutzungsverhaltens\/"},"modified":"2011-05-07T09:20:58","modified_gmt":"2011-05-07T07:20:58","slug":"schuetzt-der-bundesdatenschutzbeauftragte-vor-der-aufzeichnung-des-internet-nutzungsverhaltens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/schuetzt-der-bundesdatenschutzbeauftragte-vor-der-aufzeichnung-des-internet-nutzungsverhaltens\/","title":{"rendered":"Sch&#252;tzt der Bundesdatenschutzbeauftragte vor der Aufzeichnung des Internet-Nutzungsverhaltens? [2. Erg&#228;nzung]"},"content":{"rendered":"<p>E-Mail an den Bundesdatenschutzbeauftragten:<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>laut Auskunft der Bundesregierung speichert das Bundeskriminalamt die IP-Adressen und weitere Daten der Besucher bestimmter &#246;ffentlicher Informationsseiten, etwa &#252;ber terroristische Vereinigungen (http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/068\/1606884.pdf). Als Rechtsgrundlage werden <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/161.html\" title=\"&sect; 161 StPO: Allgemeine Ermittlungsbefugnis der Staatsanwaltschaft\">\u00a7\u00a7 161<\/a>, <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/163.html\" title=\"&sect; 163 StPO: Aufgaben der Polizei im Ermittlungsverfahren\">163 StPO<\/a> genannt.<\/p>\n<p>Ich habe bereits Zweifel, ob das BKA &#252;berhaupt zust&#228;ndig ist, zum Zweck der Strafverfolgung Daten zu erheben. Jedenfalls gibt es daf&#252;r materiell keine Rechtsgrundlage. In <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/15.html\" title=\"&sect; 15 TMG: (weggefallen)\">\u00a7 15 TMG<\/a> ist ja bereits im Wortlaut festgelegt und auch in der Gesetzesbegr&#252;ndung festgehalten, dass die Norm die Verarbeitung von Nutzungsdaten abschlie&#223;end regelt. In <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TMG\/12.html\" title=\"&sect; 12 TMG: (weggefallen)\">\u00a7 12 Abs. 1 TMG<\/a> hei&#223;t es nunmehr ausdr&#252;cklich: &#8222;Der Diensteanbieter darf personenbezogene Daten zur Bereitstellung von Telemedien nur erheben und verwenden, soweit dieses Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift, die sich ausdr&#252;cklich auf Telemedien bezieht, es erlaubt oder der Nutzer eingewilligt hat.&#8220; Dass sich die von der Bundesregierung als Erm&#228;chtigungsgrundlage genannten Vorschriften der Strafprozessordnung &#8222;ausdr&#252;cklich auf Telemedien bezieh[en]&#8220;, kann niemand ernsthaft behaupten.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund bitte ich Sie, das Bundeskriminalamt zu veranlassen, die Speicherung einzustellen.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f&#252;r die weiteren &#246;ffentlichen Internetangebote des Bundes, die nach Auskunft der Bundesregierung ebenfalls IP-Adressen speichern. Die Rechtfertigung dieser Praxis mit Sicherheitsargumenten findet ausweislich der einschl&#228;gigen Rechtsprechung (http:\/\/www.daten-speicherung.de\/?p=197#ag) im Gesetz keine St&#252;tze und wird im &#220;brigen auch durch diejenigen Angebote widerlegt, die problemlos ohne Speicherung personenbeziehbarer Daten bereitgestellt werden, etwa das Internetportal des Bundesjustizministeriums.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang m&#246;chte ich auch darauf hinweisen, dass Ihre eigenen Internetseiten unzul&#228;ssig IP-Adressen erfassen. Auch f&#252;r kurze Zeit ist dies nicht zul&#228;ssig. Im einschl&#228;gigen Urteil des Amtsgerichts Berlin hei&#223;t es: &#8222;Die Beklagte wird verurteilt, es k&#252;nftig zu unterlassen, die nachfolgend aufgelisteten personenbezogenen Daten des Kl&#228;gers, die im Zusammenhang mit der Nutzung des Internetportals &#8218;http:\/\/www.bmj.bund.de&#8216; &#252;bertragen wurden, &#252;ber das Ende des jeweiligen Nutzungsvorgangs hinaus zu speichern&#8220;. Es gibt also keine L&#246;schungsfrist, sondern diese Daten d&#252;rfen von vornherein nicht einzelfallunabh&#228;ngig in Protokolle aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Bitte teilen Sie mir mit, ob und welche Verfahren Sie aufnehmen wollen und mit welchem Ziel. Im &#220;brigen m&#252;ssten gegebenenfalls wieder die Gerichte angerufen werden, um das geltende Recht zum Schutz der Privatsph&#228;re und der unbefangenen Informationsnutzung durchzusetzen. Dies ist gerade vor dem Hintergrund essenziell, dass IP-Adressen k&#252;nftig sechs Monate lang r&#252;ckverfolgbar sein sollen.<\/p>\n<p>Mit freundlichem Gru&#223;,<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Erg&#228;nzung vom 03.02.2008:<\/strong><\/p>\n<p>Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat auf das Schreiben bis heute nicht geantwortet. Florian hat allerdings eine <a href=\"http:\/\/florian.altherr.name\/2008\/02\/03\/antwort-vom-bfdi-zur-offentlichkeitsfahndungsseite-des-bka\">Antwort<\/a> erhalten, wonach die IP-Speicherung durch das BKA &#252;berpr&#252;ft werde. Die personenbezogene Erfassung des Nutzungsverhaltens auf seiner eigenen Seite hat der Bundesdatenschutzbeauftragte beibehalten, jedoch die Speicherfrist auf 32 Stunden verk&#252;rzt.<\/p>\n<p><strong>2. Erg&#228;nzung vom 22.02.2008:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"Bundesdatenschutzbeauftragter stoppt eigene IP-Speicherung\" href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/bundesdatenschutzbeauftragter-stoppt-eigene-ip-speicherung\/\">Bundesdatenschutzbeauftragter stoppt eigene IP-Speicherung<\/a> (22.02.2008)<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>E-Mail an den Bundesdatenschutzbeauftragten: Sehr geehrte Damen und Herren, laut Auskunft der Bundesregierung speichert das Bundeskriminalamt die IP-Adressen und weitere Daten der Besucher bestimmter &#246;ffentlicher Informationsseiten, etwa &#252;ber terroristische Vereinigungen (http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/068\/1606884.pdf). Als Rechtsgrundlage werden \u00a7\u00a7 161, 163 StPO genannt. 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