{"id":3155,"date":"2011-07-08T10:01:01","date_gmt":"2011-07-08T08:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/?p=3155"},"modified":"2012-05-17T13:13:45","modified_gmt":"2012-05-17T11:13:45","slug":"olg-frankfurt-freiwillige-ip-vorratsdatenspeicherung-allenfalls-fuer-6-24-stunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.daten-speicherung.de\/index.php\/olg-frankfurt-freiwillige-ip-vorratsdatenspeicherung-allenfalls-fuer-6-24-stunden\/","title":{"rendered":"OLG Frankfurt: Freiwillige IP-Vorratsdatenspeicherung allenfalls f&#252;r 6-24 Stunden? [erg&#228;nzt am 30.09.2011]"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Ende der verpflichtenden Vorratsdatenspeicherung in Deutschland speichern verschiedene Internet-Zugangsanbieter gleichwohl noch <strong>freiwillig bis zu sieben Tage lang auf Vorrat<\/strong>, welcher Kunden wann mit welcher IP-Adresse im Internet unterwegs war (siehe <a href=\"http:\/\/wiki.vorratsdatenspeicherung.de\/Speicherdauer\">Anbietervergleich<\/a>). Diese freiwillige Vorratsdatenspeicherung kann <a href=\"http:\/\/www.1aparty.de\/\">Abmahnungen<\/a> wegen angeblicher Urheberrechtsverst&#246;&#223;e und polizeiliche Ermittlungen wegen angeblicher Straftaten nach sich ziehen \u2013 <a href=\"\/index.php\/faelle-von-datenmissbrauch-und-irrtuemern\/\">oftmals gegen Unschuldige<\/a>. Unter anderem die Telekom rechtfertigt ihre einw&#246;chige Vorratsspeicherung aller IP-Adressen mit dem Argument, dies sei zur &#8222;Erkennung&#8220; von &#8222;St&#246;rungen&#8220; erforderlich (<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/100.html\" title=\"&sect; 100 TKG: Vergabeverfahren\">\u00a7 100 TKG<\/a>). Tats&#228;chlich nutzt die Telekom die Daten aber, um <a href=\"http:\/\/www.telekom.com\/static\/-\/10112\/1\/datenschutzbericht-2010-si\">j&#228;hrlich 2,2 Mio. Ausk&#252;nfte<\/a> (t&#228;glich &#252;ber 6.000 Ausk&#252;nfte) an Abmahnanw&#228;lte zu erteilen.<\/p>\n<p>Ein Telekom-Kunde hat das Unternehmen auf sofortige L&#246;schung der Zuordnung seiner IP-Adressen mit Verbindungsende <strong>verklagt<\/strong>. Das Oberlandesgericht Frankfurt <a href=\"http:\/\/daten-speicherung.de\/index.php\/kritik-olg-frankfurt-zur-vorratsspeicherung-von-ip-adressen\/\">wollte<\/a> mit Urteil vom 16.06.2010 (Az. <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=13%20U%20105\/07\" title=\"13 U 105\/07 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">13 U 105\/07<\/a>) die Vorratsdatensammlung absegnen und die Klage abweisen. Im Januar 2011 hat der Bundesgerichtshof dieses Urteil aber aufgehoben (Az. <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20146\/10\" title=\"BGH, 13.01.2011 - III ZR 146\/10: Speicherung dynamischer IP-Adressen\">III ZR 146\/10<\/a>) und entschieden, das OLG Frankfurt m&#252;sse zuerst ein Sachverst&#228;ndigengutachten zu der Frage einholen, ob eine generalprophylaktische IP-Vorratsdatenspeicherung erforderlich sei, um der Versendung unerw&#252;nschter Nachrichten (Spam), Hackerangriffen (z.B. Denial-of-Service-Attacken) und der Verbreitung von Viren und Trojanern entgegen zu wirken. Falls die Erforderlichkeit festgestellt werde, dann sei unter Gesichtspunkten des Datenschutzes und der Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit nichts gegen eine siebent&#228;gige fl&#228;chendeckende Vorratsdatenspeicherung der IP-Adressen aller Kunden einzuwenden.<\/p>\n<p>Das Urteil des Bundesgerichtshofs st&#252;tzt sich ma&#223;geblich auf die im Beck&#8217;schen TKG-Kommentar ver&#246;ffentlichte <strong>Meinung des <a href=\"http:\/\/misc-apache.aol.de\/template\/DECorp05\">AOL-Rechtsanwalts<\/a> <\/strong><a href=\"http:\/\/www.ffw.com\/people\/all\/w\/felix-wittern.aspx\">Dr. Felix Wittern<\/a>. Da AOL selbst s&#228;mtliche IP-Adressen seiner Kunden ohne Anlass f&#252;nf Tage lang auf Vorrat speichert, ist es wenig verwunderlich, dass der Anwalt und ehemalige &#8222;Deputy General Counsel&#8220; des Unternehmens dies f&#252;r zul&#228;ssig h&#228;lt.<\/p>\n<p>Mit eingehender Begr&#252;ndung hat schon kurze Zeit nach Bekanntwerden des BGH-Urteils ein Amtsgericht <strong>ausdr&#252;cklich anders entschieden <\/strong>(Az. <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=81%20C%201403\/10\" title=\"AG Meldorf, 29.03.2011 - 81 C 1403\/10: DSL-Vertrag und Speicherung von IP-Adressen\">81 C 1403\/10<\/a>) und sich damit dem Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%2086\/07\" title=\"4 U 86\/07 (4 zugeordnete Entscheidungen)\">4 U 86\/07<\/a>), dem Landgericht Darmstadt (Az. <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=25%20S%20118\/2005\" title=\"LG Darmstadt, 25.01.2006 - 25 S 118\/05: Zur Speicherung von Verbindungsdaten bei Flatrate-Tarif\">25 S 118\/2005<\/a>) und der <a href=\"http:\/\/www.sachsen-anhalt.de\/index.php?id=32188\">Konferenz der Datenschutzbeauftragten<\/a> angeschlossen, die eine fl&#228;chendeckende und permanente Erfassung aller Nutzer schon bisher f&#252;r unzul&#228;ssig hielten. Das Amtsgericht sieht in der BGH-Entscheidung einen Versto&#223; gegen Gesetzesrecht, Verfassungsrecht und Europarecht.<\/p>\n<p>Der Rechtsstreit, mit dem der Bundesgerichtshof befasst war, geht unterdessen vor dem <strong>Oberlandesgericht Frankfurt <\/strong>weiter (Az. <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=13%20U%20105\/07\" title=\"13 U 105\/07 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">13 U 105\/07<\/a>). In einem Verhandlungstermin am 08.06.2011 unterbreitete das OLG Frankfurt den Parteien nun den Vorschlag, die Telekom solle sich durch Vergleich verpflichten,<\/p>\n<blockquote><p>die dem Kl&#228;ger zugewiesenen dynamischen IP-Adressen &#8222;unverz&#252;glich nach Beendigung der Internetverbindung zu l&#246;schen, l&#228;ngstens aber in einem Zeitrahmen von 6-24 Stunden&#8220;, wobei die genaue Stundenzahl noch auszuhandeln w&#228;re. Die Parteien sollten sich des weiteren verpflichten, den Inhalt des Vergleiches gegen&#252;ber Dritten nicht offenzulegen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Telekom lehnte den Vorschlag mit dem Argument der &#8222;Pr&#228;zedenzwirkung einer solchen Einigung&#8220; ab. Termin zur Verk&#252;ndung einer Entscheidung wurde daraufhin auf den 21.09.2011 bestimmt.<\/p>\n<p>Der <strong>Vergleichsvorschlag <\/strong>des OLG Frankfurt macht deutlich, dass das BGH-Urteil vom 13.01.2011 <a href=\"http:\/\/abmahnung-blog.de\/urteile\/bgh-erlaubt-7-tage-speicherung-dynamischer-ip-adressen\">entgegen<\/a> <a href=\"http:\/\/www.anwaltsbuero47.de\/newsartikel\/internetrecht\/672-ip-adressen-speicherung-bis-zu-7-tage-zulaessig.html\">verbreiteter<\/a> <a href=\"http:\/\/www.dury.de\/urteile-und-entscheidungen\/bgh-kurzfristige-speicherung-dynamischer-ip-adressen-ist-unter-bestimmten-umstaenden-zulaessig\">Falschmeldungen<\/a> keineswegs bedeutet, dass eine 7-t&#228;gige Vorratsspeicherung dynamischer IP-Adressen zul&#228;ssig sei, sondern dass der Ausgang des Rechtsstreits nach wie vor vollkommen offen ist. Aus dem Vergleichsvorschlag d&#252;rfte sich bereits ergeben, dass das OLG Frankfurt die gesetzlich geforderte &#8222;unverz&#252;gliche&#8220; L&#246;schung mit Verbindungsende (<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/96.html\" title=\"&sect; 96 TKG: Frequenzzuteilung f&uuml;r Rundfunk, Luftfahrt, Seeschifffahrt, Binnenschifffahrt und sicherheitsrelevante Funkanwendungen\">\u00a7 96 TKG<\/a>) dahin auslegt, dass alle Spuren sp&#228;testens nach 6-24 Stunden gel&#246;scht sein m&#252;ssen.<\/p>\n<p>Unterdessen hat das Bundesjustizministerium einen <strong><a href=\"http:\/\/wiki.vorratsdatenspeicherung.de\/images\/DiskE_.pdf\">Gesetzentwurf<\/a><\/strong> vorgelegt, welcher s&#228;mtliche Internet-Zugangsanbieter zu einer siebent&#228;gigen IP-Vorratsdatenspeicherung zwingen soll. Der Gesetzentwurf ist in der Netzgemeinde auf entschiedenen Protest <a href=\"http:\/\/www.daten-speicherung.de\/data\/ip-vorratsdatenspeicherung_stoppen.pdf\">gesto&#223;en<\/a>, weil er weithin das Ende der Anonymit&#228;t im Internet bedeuten w&#252;rde, die oftmals Voraussetzung einer freien Informationsrecherche, Informations&#252;bermittlung und Meinungs&#228;u&#223;erung im Netz ist. Das Problem des <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/100.html\" title=\"&sect; 100 TKG: Vergabeverfahren\">\u00a7 100 TKG<\/a> w&#252;rde sich durch das vorgeschlagene Gesetz nicht erledigen: Der Gesetzentwurf sieht eine Vorratsdatenspeicherung einzig zu staatlichen Zwecken vor. F&#252;r die Datensammlung zu Unternehmenszwecken w&#252;rde <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/100.html\" title=\"&sect; 100 TKG: Vergabeverfahren\">\u00a7 100 TKG<\/a> unver&#228;ndert weiter gelten.<\/p>\n<p>Es wird sich also auch in Zukunft die Frage stellen, ob Internet-Zugangsanbieter zu eigenen Zwecken und zur Weitergabe an Abmahnanw&#228;lte ohne jeden Anlass Daten sammeln d&#252;rfen, welche die <strong>Nachverfolgung unserer Internetnutzung<\/strong> erm&#246;glichen.<\/p>\n<p>Siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"Test: Internet-Anonymisierungsdienste\" href=\"..\/index.php\/test-internet-anonymisierungsdienste\/\">Test: Internet-Anonymisierungsdienste<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Musterklage Internetzug&#228;nge\" href=\"http:\/\/daten-speicherung.de\/index.php\/datenspeicherung\/musterklage-ip-speicherung\/\">Musterklage Internetzug&#228;nge<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Erg&#228;nzung vom 30.09.2011:<\/p>\n<p>Das OLG Frankfurt hat am 21.09.2011 einen Beweisbeschluss verk&#252;ndet zu der Behauptung der Telekom, eine 7-t&#228;gige IP-Datenspeicherung sei f&#252;r die Zwecke des <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/TKG\/100.html\" title=\"&sect; 100 TKG: Vergabeverfahren\">\u00a7 100 Abs. 1 TKG<\/a> erforderlich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Ende der verpflichtenden Vorratsdatenspeicherung in Deutschland speichern verschiedene Internet-Zugangsanbieter gleichwohl noch freiwillig bis zu sieben Tage lang auf Vorrat, welcher Kunden wann mit welcher IP-Adresse im Internet unterwegs war (siehe Anbietervergleich). 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